Montag, 8. Oktober 2007

Altersschwaeche

So, meine Lieben, als allererstes einmal: vielen, vielen Dank euch allen fuer die lieben Gruesse zu meinem Geburtstag, hab mich sehr ueber alle Nachrichten und Anrufe gefreut! Auch wenn sie den Nebeneffekt hatten dass ich ein kleines bisschen heimat-nostalgisch geworden bin; aber ueber diese Anfaelle konnten mir dann ja zum Glueck Vio und Stefan, meine Gaeste in den letzten vier Tagen, mit ihrer Anwesenheit und literweise Cappuccino hinweghelfen!
Jetzt aber der Reihe nach. Am Donnerstag Abend sind die zwei hier angekommen, ausgemergelt und halb am verhungern, aber da konnte Abhilfe geschaffen werden, was ein Glueck. Am Freitag haben wir dann beschlossen, zusammen mit Julia und Franzi, zwei anderen Erasmus-Maedels, nach Arezzo zu fahren- in so einem duften Ueberlandbus Marke Brechreiz. Als wir ankamen mussten wir zu unserem Leidwesen feststellen dass die Bewohner Arezzos ebenso wie die Senesen hauptsaechlich durch ihre Abwesenheit glaenzen; deshalb, und NICHT etwa wegen unserer Kulturbanauserei, haben wir die meiste Zeit mit der Suche nach einer geoeffneten Bar verbracht statt mit der fachkundigen Analyse gotischer Kirchenfassaden. Nachdem wir dann doch eine gefunden hatten (eine geoeffnete Bar, keine gotische Fassade!) und mit dem italienischen Nationalgericht versorgt waren (labbriges Weissbrot mit labbrigem Belag), haben wir uns dann natuerlich auch prompt eine Kirche angeschaut und danach die Casa di Petrarca. Als bekennendes Petrarca-Groupie war ich natuerlich besonders am Petrarca-Haus interessiert und erwartete, dort liebevoll gestaltete Stellwaende vorzufinden, die das Leben und Wirken des Dichters in Szene setzen, womoeglich sogar mit Bildern und Begleitbroschuere. Aber nix, stattdessen gab es dort nur ein paar Nachdrucke seiner Werke, einen seiner Backenzaehne und ein Haeufchen versteinertes Mittagessen (sah zumindest so aus, was genau es war, konnte ich nicht ausmachen) zu sehen. An diesem musealen Desaster haette hoechstens Vio als angehende Zahnaerztin ein maessiges Interesse haben koennen. Naja was soll's.
Auf dem Heimweg erreichte mich dann, zwei Tage zu frueh, die erste Geburtstags-SMS (danke, Basti ;-) und mir wurde schlagartig bewusst, dass ich in nicht allzu ferner Zukunft alt sein wuerde. Horrorvision davon, wie schlag zwoelf mein Gesicht in Truemmer faellt, meine Haare ergrauen und mein Hintern die schon laengst faellige eigene Postleitzahl bekommt. Oh Gott, Nietzsche hat recht: wir sind alle nichts und zerfallen zu Asche. Aaaahhh!!!!
Nach diesem kurzen nihilistischen Anfall geht der Feiermarathon los: das Lisele feiert im Buena Vista Social Pub mit leckeren Mojitos in ihren Geburtstag rein!
Nach nicht lange waehrender Freude ob der Tatsache, dass sie jetzt 22 ist und ich noch nicht, geht es am naechsten Abend im Barone Rosso weiter und ich bin an der Reihe. Um zwoelf spielt die Liveband sogar Happy Birthday; zwar nicht fuer mich sondern fuer die beschwipste Englaenderin am Nebentisch, macht aber nix, ich freu mich trotzdem.
Als Stefan am naechsten Morgen seinen Nastro-Azzurro-Rausch ausgeschlafen hat gehen wir alle im Cafe Nannini fruehstuecken und ich kaempfe gegen den ersten Anfall von Heimat-Nostalgie, erst mit Cappuccino, dann mit einer Runde grosse Hausordnung.
Die Erleichterung bringt dann der Abend: Vio, Stefan und ich bereiten ein Abendessen fuer elf liebe Gaeste zu (diesmal hab ich ordentlich mitgezaehlt und erfolgreich addiert: fuenf Deutsche, fuenf Italiener und eine Japanerin ;-)! Es gibt Salat, selbstgemachte Kaese- und Pilzspaetzle, Schokotorte, Apfelpfannkuchen und Obstsalat. Nach dem Essen hab ich dann einen neuen, wichtigen Ausdruck gelernt: sto per scoppiare- ich platze gleich ;-)! Als echte "Mama Miracoli" nehme ich das natuerlich als Kompliment.
Meine Gaeste haben auch alle sehr liebe Geschenke mitgebracht, unter anderem eine Fotogalerie mit Bildern von Freunden zuhause, einen Rilke-Gedichtband, ein sardisches Kochbuch (dezente Anspielung?!) und eine CD mit asiatisch angehauchter Floeten-Tiefenentspannungs-Musik (ratet mal, von wem ;-)! Und die nicht-deutschen Gaeste haben auch alle ganz stolz zum besten gegeben, was sie alles auf deutsch sagen koennen; kleiner Ausschnitt aus der tiefgruendigen Diskussion zwischen Giacomo und Shima:
G.: "Bist du Shima?"
S.: "Gut, danke!"
G.: "das ist aber teuer!"
Ihr seht schon, wenn ich in einem Jahr weg bin, sprechen die alle fliessend deutsch ;-)
ich muss zugeben, nach dem ausgedehnten Abend gestern war es heute morgen extrem schwer, um acht aufzustehen und italienische Zeitungsartikel zu uebersetzen, aber das war die schoene Feier definitiv wert!
Stefan und Vio musste ich dann leider auch verabschieden; obwohl, Stefan ist glaub ich ganz froh Vios und meinen Klauen und damit dem dauernden Oestrogenueberschuss entkommen zu sein ;-)!
So, jetzt seid ihr alle erstmal wieder auf dem Laufenden; ich verspreche auch hoch und heilig, sobald ich verstanden habe wie's geht stelle ich ein paar Fotos der letzten Tage hier rein!
Bis dahin drueck ich euch alle platt- eure Judith

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