Dienstag, 4. Dezember 2007

Jo mei, mir ham an Weihnachtsmarkt!

Die ganze Zeit über erwies sich Siena ja als eher weihnachtsmuffelig (wenn`s um ihren Palio geht drehen die Senesen feiertechnisch ab, aber dass sie mal ne Tanne auf die Piazza stellen, das geht nicht!) Zwar haben sie schon vor Wochen begonnen, halbherzig Lichterketten über die Gässchen zu spannen, aber den entscheidenden Schritt diese auch anzuzünden sind sie dann doch nicht gegangen, man muss es ja nicht übertreiben. Aber mit dem 1. Dezember wurde alles anders. Die mittelalterlichen Strässchen erstrahlen in weihnachtlichem Glanz (und damit meine ich Glanz im Sinne von stimmungsvoller Beleuchtung, nicht das psychedelische Las-Vegas-Geblinke der ascheberscher Innenstadt!), und die Senesen setzen sogar noch eins drauf: ein österreichischer Weihnachtsmarkt, direkt neben der Fortezza! Du kriegst die Tür nicht zu! So richtig mit Buden, Glühwein, selbstgedrehten Kerzen, einem Stand mit echtem, gesalzenem, nach was schmeckendem Vollkornbrot, Sauerkraut, Flammkuchen, alles was das Herz begehrt, nur ohne kalt. Klar also dass gestern Abend eine Gruppe von etwa 30 Deutschen Erasmusstudenten nebst Clara, meine andalusische, aber mittlerweile perfekt "eingedeutschte" Bomba, das Gelände stürmt und mit großen Augen "vin brulee" (-> Glühwein), "wurstel con crauti" (-> was wohl), "zuppa al gulasch" und Bauernbrot ordert. Die Verkäufer dieser Köstlichkeiten, die in unseren Augen zu Halbgöttern werden, sind in der Regel Urbayern oder Österreicher in bunt gestrickten, rustikalen Pullovern, die des Italienischen begrenzt oder garnicht mächtig sind. Einer der in Strick gepackten Halbgötter zaubert, als die Buden schon schließen und wir uns immernoch verzweifelt an den Glühwein klammern, eine Flasche Erdbeerlimes hervor und lädt uns und die anderen Verkäufer auf eine Runde ein, begleitet von den über den Platz gerufenen Worten : " Michl- fragole!!!" Clara, die mittlerweile schon glühweinrote Backen hat, wird vom edlen Spender in ein Gespräch über ihre beiderseitige Herkunft verwickelt ("Ah, Malaga, schee- io lago di Boden, ach nee, lago di Konstanz!") und die Kleine schlägt sich super mit ihrem Deutsch ("i miei piedi sono molto kalt!!!", "Judith, Lisa- Proscht!")
Als dann so gegen halb zehn definitiv keine Möglichkeit mehr besteht an Glühwein oder fragole zu kommen, auch nicht durch Bestechung, siedeln wir über in eine deutsche Kneipe wo wir den Abend zusammen mit einem Haufen Italiener, Spanier, Finnen, Polen etc.pp. über einem bzw. diversen Weizenbieren ausklingen lassen. Und den Michl mit den fragole haben wir kurzerhand mitgenommen, sehr zum Leidwesen des Liseles, dem er ein Ohr abgequatscht hat.
Jetzt hab ich also meinen Bedarf an Heimatkultur erstmal wieder gedeckt; trotzdem freu ich mich schon sehr, das alles schon bald am Originalschauplatz genießen zu können- Heimaturlaub in zwei Wochen! Aschebersch, mein Klein-Las-Vegas, ich komme!!!!
Noch umarme ich euch alle daheim noch virtuell, aber bald schon in echt! Bis bald meine Lieben! Eure Ju
PS: super Foto von mir uff'm störrischen Gaul im Old McDonald had a farm- Blogeintrag! Ich bin die in der Mitte, erkennt man leider nicht so gut. Oder zum Glück, wie man`s nimmt ;-)

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