Ich gebe es zu: ich bin fremdgegangen. Ich habe das letzte Wochenende vor meinem Heimatbesuch bei einer fremden Familie verbracht, und zwar bei der von Natalia in Roseto, einer kleinen Stadt in den Abruzzen.
Ein Wort zu meiner Verteidigung: ich war einfach neugierig ob die Familie dieser Energiebombe genauso durchgeknallt ist wie sie ;-)! Musste aber feststellen dass Natalia einfach durch nichts zu toppen ist, nichtmal durch ihren sechsjährigen Bruder Alessandro. Dieser hat es mir besonders angetan, er hat nämlich sympathischerweise den gleichen Sprachfehler wie ich: er kann das italienische R nicht gescheit rollen. Mit dem Unterschied, dass er deshalb zur Logopädin geht, während ich es einfach nicht mehr lernen werde, und das obwohl ich Fränkin bin ;-)!
Der Kleine hat auf alle Fälle sofort Shima und mich in Beschlag genommen, uns zum Tischfußballspielen verdonnert und uns dann den marinelli`schen Kleintierzoo vorgestellt (Hund vorm Haus, Katze im Haus, Schildkröte in der Dusche).
Den Samstag haben wir, also Natalia, Shima, Nataliamama, Alessandro und ich, ehrlich gesagt fast vollständig im neueröffneten Shoppingcenter Gran Sasso verbracht, der einzigen Attraktion vor Ort; von diesem Konsumtempel mal abgesehen hat Roseto in etwa den Charme einer ostdeutschen Plattenbausiedlung (sorry Belinda, von diesen Abscheulichkeiten mal abgesehen ist deine Heimat berauschend schön ;-)!
Bei einem kleinen Päuschen zwecks Nahrungsaufnahme bekamen wir witzigerweise Bierdeckel mit dem verschneiten München drauf; das hab ich dann Alessandro gezeigt und ihm erklärt dass das eine Stadt in meiner Heimat ist (er hatte bis dato nicht kapiert dass ich Ausländerin bin; ist ja, rein optisch gesehen, auch nicht so leicht zu enttarnen wie beispielsweise bei Shima, die in seinen Augen zum asiatischen Prototypen par excellence geworden ist- bei jeder Japanerin oder Chinesin, die er sieht, ist er der Meinung das sei die Mama/Schwester/Oma von Shima ;-). Auf jeden Fall wollte er dann, dass ich ihm auf dem Bierdeckel das Haus zeige in dem ich wohne; und glaubt nicht dass er sich mit so Larifari-Ausreden à la "das kann man da nicht so gut erkennen" hätte abspeisen lassen! Also haben wir der Einfachheit halber beschlossen, dass ich in der Frauenkirche in München wohne, dem einzigen Gebäude, das gut erkennbar abgebildet war.
Abends sind Nata, Shima und ich dann ich weiß nicht wie in einem unmöglichen Snob-Tanzschuppen, sorry, LOUNGE, gelandet- überall Kronleuchter, Marmorstatuen, Typen mit Anzug, Kravatte und Champagnerglas in der Hand und optisch dazu passende Damen, die den Eindruck machten als hätten sie in ihrem Leben keine anderen Sorgen als zwingend Kleidergröße 32 beizubehalten und eines Typen mit Anzug, Kravatte und Champagnerglas in der Hand habhaft zu werden. Also genau die Umgebung in der ich mich wohl fühle- aaaahh, wo ist das Laby?!?
Sonntag musste ich dann leider schon wieder den geordneten Rückzug nach Siena antreten weil hier in der letzten Woche vor der Abfahrt einfach noch soooo viel zu regeln ist! "zwei Seelen wohnen ach, in meiner Brust"- was denn, nur zwei??? Faust ist ein Weichei! Wir, die Römleins, sind momentan mindestens zu zehnt, anders wäre das alles im Moment garnicht zu bewältigen! Geschenke kaufen, Sachen packen, nochmal mit José Salsa tanzen gehen, Geschenke einpacken, kreative Karten basteln, Wohnung putzen, Uni gehen (manchmal), und dann natürlich heute einen Umzug regeln: Überraschung! Ab Januar wird Clara, meine kleine andalusische Bombe, bei uns wohnen!!! Aber das bedeutet natürlich auch einen Abschied, und zwar von Shima, meiner kleinen, friedlichen, nonstop lächelnden Lieblingsjapanerin, die am 20. nach Tokio ins Hotel Mama zurückkehrt (kleine Anspielung, hat`s jemand gemerkt?! hahaha, totlach...) Sie wird mir fehlen, geht doch mit ihr nicht nur eine liebe Freundin, sondern auch der einzige Ruhepol in unserer geräuschverseuchten Wohnung!
In der ist übrigens gestern Abend ein Wunder geschehen: ich kam von einer Spanier-Weihnachtsfeier heim (nein Mama, ich bin NICHT nachts alleine nach Hause gelaufen, ich befand mich wie immer in der sicheren Obhut von Carlos und Clara, denen dein Dank auf ewig hinterherschleichen wird ;-), und da fand ich Natalia ganz ruhig, ausgeglichen und zufrieden in der Küche vor. Ich dachte schon sie hätte den Ratgeber "Wie werde ich Buddha in acht Tagen" von C. Giacobbe in der Bücherei entdeckt, aber nein, das waren nur die Nachwirkungen eines Gute-Nacht-Joints (nein Mama, ich gucke sowas noch nichtmal schief an ;-)- fein fein, sie ist ruhig und ausgeglichen weil sie was geraucht hat, ich bin ruhig und ausgeglichen weil sie ruhig und ausgeglichen ist, und alle sind glücklich und zufrieden. Ich bin für die Legalisierung von Marihuana.
So meine Lieben, ich pack dann jetzt mal die letzten zu organisierenden Dinge an (der Kontrollteufel ist voll in seinem Element); und dann seh ich euch ja ganz bald zu Hause! Ich drück euch ein letztes Mal via Blog, dann in echt! Bis nächste Woche! Eure Römleins
Mittwoch, 12. Dezember 2007
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1 Kommentar:
wow, die Frauenkirche zu München als Wohnzimmer. Super Akkustik, wenn Du in italienischem Akzent aber ohne rollendes rrrr Tokio Hotel zum Besten gibst :D
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