Mittwoch, 21. November 2007

Jenseits der Stille

Jaaa, ich weiss, die böse, böse Judith hat sich mehr als vier Tage nicht gemeldet um Rechenschaft über ihr buntes Treiben abzugeben, Asche auf mein Haupt!
Aber ich habe etwas zu meiner Verteidigung vorzubringen, und zwar: Perugia war schuld. (An allem was in meinem Leben fortan schief läuft wird notwendigerweise Perugia die Schuld tragen ;-). Nein im Ernst, bei unserem Kamikaze-Trip im Regen letzten Mittwoch habe ich mich erkältet und deshalb die letzten Tage mehr oder weniger schachmatt im Bett verbracht- ich im Stand-by-Modus, das gibt's nicht oft ;-)! Und eine leichte Erkältung kann sich durchaus hinziehen, wenn man a) undichte Fenster und b) geräuschkulissenmässig wenig dezente Mitbewohnerinnen hat. Man könnte meinen sie jetzt, in der Prüfungsphase, etwas ruhiger und in Bücher vertieft vorzufinden, aber nein, unter 120 Dezibel geht bei uns einfach nichts, nicht mal Lernen. Die Geheimnisse der Antropologie der indoeuropäischen Völker erschliessen sich Natalia nur unter konstanter U2-Beschallung und/oder (meistens und) Hintergrunduntermalung mittels "Tempesta d'amore" (ja, richtig, "Sturm der Liebe" auf Canale 5) und "Uomini e donne" (Kuppelshow mit dem intellektuellen Anspruch einer Bildzeitung, wenn überhaupt).
Ich versuche, mich zu entspannen. Eine Tasse Tee, Südostasien-Flötenmusik-CD von Giacomo rein. Hilft nix, Bono ist lauter.
Juli telefoniert, Laura von Fürstenhoff schmeisst sich lautstark in die Arme des Hotelerben Florian, der sich aber momentan beziehungsunfähig fühlt wegen der Grosscousine mütterlicherseits, die sein Herz gebrochen hat (flenn..), die Waschmaschine läuft, die Mikrowelle piept, ich fahre aus der Haut. Aber ganz leise und dezent, ich bin ja Deutsche. Wie weit jenseits der Stille kann man eigentlich sein?!? Die Einzige in diesem Haus, die nicht nonstop Geräusche produzieren muss, ist Shima, Perle des Orients, die immer nur friedlich lächelnd wie ein kleiner Buddha in der Küche anzutreffen ist. Ich liebe Japaner.
Trotz der manchmal etwas widrigen Umstände a casa nostra gibt der Kontrollteufel in meinem lärmgeschädigten Hirn keine Ruhe bzgl. der bevorstehenden Prüfung in amerikanischer Literatur- er zwingt mich, meine Bücher in die Hand zu nehmen, sie bunt anzumarkern, mit Post-its zu versehen und Randnotizen zu machen. Ich kann nichts dagegen tun, er ist stärker als ich.
Gestern früh dann bewege ich mich, noch etwas matschig in der Birne aber ansonsten wieder wohlauf, Richtung Nervenheilanstalt San Niccoló, um die Prüfung hinter mich zu bringen. War nicht so wild, und Signora Balestra liess uns sogar die angemarkerte, mit Post-its zugepappte Primärliteratur verwenden. habe ich eigentlich schon mal von Signora Balestra erzählt? Ich verehre sie. Wäre ich männlich und um die sechzig, ich könnte ihr nicht widerstehen. Die Kerle in unserem Kurs geben sich ihr gegenüber betont unbeeindruckt, aber ich bin überzeugt davon dass die nachts so Mrs-Robinson-mässig von ihr träumen. Che donna!
Bevor ich nach der Prüfung nach Hause gegangen bin (nach Auffüllung der Energiereserven mithilfe von cornetti alla crema und Mensa-pasta) habe ich übrigens noch eine feine Anschaffung im 99-Cent-Laden meines Vertrauens getätigt: Ohrenstöpsel ;-)! Also falls mich in nächster Zeit jemand anrufen will: lang durchklingeln lassen, es könnte sein, dass ich gerade mit gelben Pfropfen im Ohr die Stille geniesse ;-)!
Also dann, bis bald und in Liebe- eure Judith
PS: habt ihr was bemerkt?! dieser Blogeintrag beinhaltet Umlaute!!!! Das liegt daran dass ich gerade bei Clara, la piccola bomba spagnola, sitze, Tee trinke und mich freue dass ihr Laptop der Umlaute fähig und ihre Wohnung so ruhig ist.

1 Kommentar:

joe hat gesagt…

Haaaaaahaaaaaaaaaaa!!!! Immer die lärmenden Spaghettis!!! Hier in Mexiko sind die Menschen, ruhig, besonnen, introvertiert und auf einen besonders niedrigen Lärmpegel bedacht...

muahahhaha!

un abrazo!

joe