Ich habe gestern etwas gelernt. Zwar mal wieder nix fuer die Uni (Pruefungen naechste Woche, aber was soll's, Zeit ist relativ und ich weiss eh dass ich nichts weiss), dafuer aber was fuer's Leben.
Man sollte auf seine innere Stimme hoeren.
Und die meine schrie gestern morgen, als um halb 7 der Wecker klingelte weil Lisa, Julia und ich einen Ausflug nach Perugia machen wollten, entsetzt auf : "Bist du des Wahnsinns?! Es regnet, du bist gestern erst um halb 2 vom Spanier-Haus-Gelage heimgekommen und ueberhaupt! Bleib im Bett und halt den Rand!" Aber ich hab sie abgewuergt, bloederweise. Bin unter unsere vor sich hin troepfelnde Dusche geschwankt, hab meine super wasserdichten Goretex-Anti-Rutsch-Anti-nasse Fuesse-Anti-Erkaeltungs-Winterstiefel angezogen und bin mit den Maedels losgezogen. Da ging der Mist ja schon los: anstatt dass der Kaschper im Reisebuero, in dem ich am Tag zuvor die Tickets gekauft habe, mich mal freundlich darauf hinweist dass da ein Bus in 1 1/2 Stunden direkt nach Perugia faehrt, verkauft er mir lieber Tickets fuer eine Odyssee durch halb Mittelitalien mit drei Mal umsteigen, 3 1/2 Stunden insgesamt. Grande. Da kommt Freude auf.
Schon als wir in Perugia sind merke ich, dass meine 1a-Winterstiefel anscheinend alles abhalten ausser Naesse und Kaelte. 3*-Tiefkuehl-Fuesse.
Was soll's, wir stapfen los- Perugia ist unter anderen Umstaenden sicherlich schoen, aber in diesem Moment kann ich die Stadt aus drei Gruenden nicht richtig geniessen:
1) Es regnet.
2) daraus folgt: ich bin patschnass
3) letzte Woche wurde hier eine Erasmus-Studentin von ihren Mitbewohnern gekoepft.
Dies alles traegt dazu bei, dass die Atmosphaere zwar feucht, aber nicht froehlich ist. Der Dom ist uebrigens geschlossen, ebenso wie die Mehrheit der Pizzerien. In einer der wenigen geoeffneten druecken wir uns dann erstmal eine Pizza rein, munter vor uns hin kondensierend. Und wir entschliessen, den naechsten Zug zurueck zu nehmen. Die Zeit bis dahin vertreiben wir uns lesenderweise in einer Buchhandlung (dazu muss man auch zwingend nach Perugia fahren, gell) und kaufen dann Tickets fuer den Bus zurueck zum Bahnhof. Ich betone: WIR KAUFEN TICKETS FUER DEN BUS!!! Und Julia stempelt sie auch ab. Was nicht abstempelt, ist dieser verdammte Aparillo. Das bemerken aber leider nicht wir, sondern die Kontrolleure, die am Bahnhof zusteigen. Und die erweisen sich als wenig flexibel im Umgang mit technik-inkompatiblen deutschen Erasmusstudentinnen ("Also ihr seid doch erwachsen, ihr habt doch solche Apparate auch in Siena, ihr seid doch laureati!") Das Ende vom Lied ist, dass sie uns zum Bankautomaten eskortieren, wo wir ihnen 90 Euro geben, mit denen sie sich dann wohl nen schoenen Nachmittag gemacht haben. 90 Euro! In Worten: NEUNZIG!!! Das sind:
- 90 Kaffee in der Bar
- 45 mal Essen in der Mensa
- ein Paar wasserdichte (!) Stiefel
- 10 Buecher fuer die Uni (nicht dass ich sie lesen wuerde, aber immer noch besser als das Geld dem italienischen Beamtenapparat in den gierigen Rachen zu schmeissen)
Verdammt. Meine innere Stimme lacht mich aus. Lauthals.
Aber die Maedels und ich beschliessen nach mehreren ungehaltenen Fluchtiraden, es mit (Galgen)humor zu nehmen.
Abends krieche ich erschlagen und mit zu Eiszapfen erstarrten Fuessen und Haenden unter die Decke und habe sogar zwei Dinge gelernt:
1) Hoer gefaelligst auf deine innere Stimme
2) Nie wieder Perugia!
Es winkt euch liebevoll
das eiskalte Haendchen
Donnerstag, 15. November 2007
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