Donnerstag, 13. März 2008

Doch, es GIBT Senesen ;-)

Gestern habe ich zum ersten Mal einen Senesen kennengelernt, dieses sonderbare Völkchen, dessen Existenz ich ja zeitweise schon zu bezweifeln geneigt war.
Er heißt Natalino, ist an die sechzig und ich habe ihn gestern bei einem nächtlichen giro mit Clara auf der Straße liegen sehen. Seiner eigenen Aussage nach hatte er eine Flasche/ein Glas/einen halben Liter (Angaben änderten sich alle paar Minuten) Wein in Kombination mit ein/zwei/einer Packung Schlaftabletten zu sich genommen und wollte nun schlafen/nach Hause/zum Arzt (auch hier Angaben ohne Gewähr). Berechtigterweise machten wir uns einige Sorgen, genau wie das andere Mädel das zu uns gestoßen war. Also haben wir die Misericordia/das Rote Kreuz/die Carabinieri angerufen, sind aber von allen abgewiesen worden, offensichtlich weil alle sozialen Organisationen Sienas an diesem Tag schon fünf Mal ausgerückt waren um Natalino nach Hause oder wahlweise ins Krankenhaus zu bringen, aber jedesmal an dessen heftigem Widerstand gescheitert waren ("bevor ich mit denen vom Roten Kreuz gehe gehe ich lieber in die Hölle!") Mittlerweile waren drei weitere Mädels hinzugekommen, ebenfalls heftig besorgt. Also haben wir bei der Pronto Soccorso angerufen- "Hallo, hier liegt einer auf der Straße, der braucht Hilfe!" - "Heißt er zufällig Natalino?" Also wieder nichts. Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon zu siebt, alle um Natalino geschart und nacheinander auf ihn einredend um ihn zum Aufstehen und nach Hause gehen zu bewegen. Aber das einzige was wir, trotz Aufgebot all unseren weiblichen Charmes, erreichten, war dass er uns seine Lebensgeschichte erzählte, mittlerweile wieder recht fit und munter rauchend. Nach etwa einer Stunde passierte dann das, womit wir alle nicht mehr gerechnet hatten: "signorine, wären sie wohl so freundlich mir aufzuhelfen und mich nach Hause zu begleiten?" Wir, die signorine, waren natürlich so freundlich, haben ihn untergehakt und machten uns daran, ihn zu siebt nach Hause zu eskortieren. Als wir um die Ecke bogen, kamen gleichzeitig die Carabinieri, das Rote Kreuz und die von der Pronto Soccorso.
Dies war meine erste Begegnung mit einem Senesen. Mit den anderen Mädels haben Clara und ich Nummern ausgetauscht, sodass der Natalino-Rettungs-Trupp vielleicht mal gemeinsam eine Flasche/ein Glas/einen halben Liter Wein trinken gehen kann.
Es grüßt euch eure Judith von der freiwilligen Misericordia Siena ;-)

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