Donnerstag, 10. Januar 2008

Die Ruhe vor dem Sturm

so, meine erste Woche back to chaos ist schon fast vergangen; arg viel zu erzählen gibt es momentan noch nicht, außer dass ich mit der schockierenden Tatsache konfrontiert wurde dass ich in weniger als zwei Wochen schon mündliche Prüfungen habe und dass die Stadt aufgrund der urlaubsbedingten Abwesenheit der Spanier einer Geisterstadt ähnelt. Keine meterlangen Schlangen in der Mensa, kein dichtes Gedränge in der Studentenkneipe "Incontro", ausgestorbene Gassen, eine gähnend leere Piazza- man merkt tatsächlich dass mit den 250 Erasmusspaniern etwa 1/4 der Stadtbevölkerung verschwunden ist ;-)!
Naja, morgen kommt meine neue Mitbewohnerin und Lieblings-Andalusierin Clara nach Hause, und eh man sich versieht ist Siena wieder laut, chaotisch und spanisch.
Bis dahin genießen die anderen Mädels und ich grad ruhige Kochabende, gemütliche Teestündchen und Spaziergänge, alles, was zur inneren Ruhe und Ausgeglichenheit beiträgt, die überall außerhalb der Via del Pignattello 27 zu finden ist.
Denn da geht schon wieder der Punk ab. Prüfungszeit für mich bedeutet nämlich Prüfungszeit allgemein und somit auch Prüfungszeit für Natalia. Und das wiederum bedeutet nur eins: Chaos. Im Moment befindet sie sich noch in der latenten ->Verleugnungsphase, die; Phase des nicht-wahrhaben-Wollens einer belastenden Situation: "was? Prüfungen? DEMNÄCHST?! kann nicht sein.", gefolgt von einer Staffel "Tempesta d`amore" und der langsam eintretenden -> Erkenntnisphase, die; Phase des sich-Bewusstwerdens einer bestehenden Problematik: "Hm, in zehn Tagen ist ja schon die Prüfung; oh Gott, vielleicht sollte ich mir mal die Bücher bestellen!" Diese geht über in eine lange Phase der panischen -> Übersprungshandlung, die; das Verfallen in blinden Aktionismus zum Ablenken von tatsächlichen Gegebenheiten: "Ich kann jetzt grad nicht Lernen... ich muss mich entspannen und außerdem kommt grad Dr.House... Mensch wie sieht denn eigentlich die Küche aus, die wollte ich ja schon längst mal streichen!" Selten kann es zwischen den einzelnen Phasen auch zu sogenannter -> Produktivität, die; Phase des sich-Auseinandersetzens und Reagierens auf ein bestehendes Problem: "Buch ist da, ich schau mal rein" kommen. Aber, wie gesagt, eher selten. Einen Abend vor der Prüfung kulminiert diese psychologische Fallstudie dann in der Phase der absoluten ->Panik, die; diese zeichnet sich aus durch kopfloses Blättern in zehn verschiedenen Büchern gleichzeitig mit anschließender Resignation und/oder Ohnmacht. Das eigentlich witzige bzw. tragische an der Sache ist dann aber, dass sie die Prüfung letztenendes meist mit 28 Punkten (von 30!) besteht UND SICH ÜBER DAS SCHLECHTE ERGEBNIS AUCHNOCH BESCHWERT.
Nun gut, das alles nur zur Illustration des Dramas in vier Akten, das mich in den folgenden Tagen zu Hause vermutlich erwarten wird. Gott sei Dank fängt am Montag mein Yogakurs an.
die liebsten Grüße von eurer entspannten Judith

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